Die Holtzers – eine Familiengeschichte (Kritik der Aufführung)

Das diesjährige Theaterstück unserer Schule handelte von einer Familie, die in der deutschen Nachkriegszeit um 1950 lebte.
Dargestellt wurde es von den Jahrgängen 8-10, betreut von Frau Linsner und Herrn Reichert.
Aufgeteilt war das Stück in kurze Akte zwischen 5 und 10 Minuten. Zwischen jedem Akt las ein Schüler der 10. Klasse jeweils ein paar wichtige Fakten zu den Geschehnissen der damaligen Zeit vor.
Die fünfköpfige Familie Holtzer hatte ihre Lasten zu tragen, wie viele Familien zu dieser Zeit.
Tochter Marianne erfährt zu Beginn des Stückes, dass sie das uneheliche Kind eines amerikanischen Besatzungssoldaten sei. In der Gesellschaft war dies hochverachtet. Es führte zu Streit in der Familie.
Diese Wogen wurden auch nicht geglättet, als das Autowerk Opel für Gastarbeiter aus den südlichen Ländern möblierte Zimmer suchte. Großmutter Holtzer entschloss kurzerhand einen italienischen Gastarbeiter aufzunehmen. Geld konnte zu dieser Zeit jeder gut gebrauchen.
Befreundete Familien leisteten sich ihren ersten Fernseher. Deutschland wurde Weltmeister. Die Kriegsgefangenen in Russland wurden freigelassen und kehrten nach Hause zurück. Das Stück spitzte sich zu, als die ältere Tochter von dem dort wohnenden Gastarbeiter schwanger wurde. Auch dies kam zur damaligen Zeit nicht selten vor.

All diese historischen Ereignisse haben die Schauspieler anschaulich, auch für jüngere Zuschauer, fantastisch dargestellt.
Gerade für die Schülerinnen und Schüler der 8.-10. Klassen wäre es eine tolle Ergänzung zum Geschichtsunterricht gewesen, sich das Stück als „Pflichtprogramm“ im Namen des Unterrichtes anzusehen.
Mich hat das Stück deshalb überzeugt, weil es einen wunderbaren Einblick in die Deutsche Geschichte gegeben hat, sozusagen eine Reise in die Vergangenheit mit Schwerpunkt auf das tatsächliche Leben.
Es wurden Themen behandelt, die man so nicht in den Geschichtsbüchern finden würde. Auch auf Grund der Requisiten, welche sehr treffend ausgesucht worden waren.
Trotz des eigentlich dramatischen und ernsten Hintergrundes haben es die Schauspieler geschafft, das Ganze auf eine amüsante Art rüber zubringen, der man gerne gefolgt ist.
Trotzdem verstand man noch den Kern und den Inhalt des Stückes.
Dazu haben vor allem die schauspielerischen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler beigetragen.
Umso trauriger ist es, dass sowohl Freitag- als auch Samstagabend so viele Plätze unbesetzt blieben.

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